MNU-Landesverband Nordrhein – Austausch und Zusammenarbeit im MINT-Unterricht
MNU-Landesverband Nordrhein
Impulse für den MINT-Unterricht in NRW

PISA 2025: Gute MINT-Bildung braucht starke Grundlagen – und mehr als Grundlagen

Die Ergebnisse von PISA 2025 sind ernüchternd. In Deutschland sind die Leistungen der 15-Jährigen in Mathematik und Lesen gegenüber 2022 erneut gesunken; in den Naturwissenschaften blieben sie ungefähr auf dem Niveau von 2022. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich in allen drei Bereichen eine deutliche Abwärtsentwicklung. Besonders nachdenklich macht der Blick auf die grundlegenden Kompetenzen: In Mathematik erreichen nur noch 66 Prozent der Jugendlichen mindestens Kompetenzstufe 2, im Lesen 68 Prozent und in den Naturwissenschaften 73 Prozent.

PISA 2025: Naturwissenschaften und digitale Lernwelten im Fokus

PISA 2025 ist für den MINT-Bereich in besonderer Weise relevant: Die Naturwissenschaften bildeten diesmal den Hauptbereich (Major Domain) der Untersuchung. Zudem wurde mit „Learning in the Digital World“ erstmals ein innovativer Bereich untersucht, der unter anderem computational problem solving und selbstgesteuertes Lernen in digitalen Umgebungen erfasst. Im naturwissenschaftlichen Kompetenzrahmen spielen zudem Umweltfragen sowie die Fähigkeit eine wichtige Rolle, wissenschaftliche Informationen kritisch zu beurteilen und für begründete Entscheidungen zu nutzen.

Basiskompetenzen sichern – fachliches Denken ermöglichen

Für den MNU ist die entscheidende Frage deshalb nicht allein, wie Deutschland im internationalen Vergleich abschneidet. Entscheidend ist, was die Befunde für die Qualität des mathematischen, naturwissenschaftlichen, informatischen und technischen Unterrichts bedeuten.

Die Antwort kann nicht schlicht „mehr Stoff“ oder „einfach mehr vom Gleichen“ lauten. Im Gegenteil: Die OECD empfiehlt, stärker in die Tiefe als in die Breite zu gehen – also zentrale Inhalte so zu vermitteln, dass Schüler:innen sie wirklich verstehen und sicher anwenden können. Lehrpläne, Unterricht und Leistungsmessung müssen dabei zusammenpassen.

Das trifft einen Kern guter MINT-Bildung. Basiskompetenzen sind unverzichtbar, aber sie sind kein Selbstzweck. Mathematische Verfahren, Fachbegriffe, naturwissenschaftliches Grundwissen oder grundlegende informatische Konzepte bilden das Fundament dafür, Probleme zu lösen, zu modellieren, zu argumentieren, Daten auszuwerten, Hypothesen zu prüfen oder Experimente zu planen und zu beurteilen.

Gerade das praktische und forschende Arbeiten gehört zum Kern der MINT-Fächer. Beobachten, messen, experimentieren, modellieren und Ergebnisse kritisch prüfen sind nicht bloß motivierende Ergänzungen zum „eigentlichen Stoff“, sondern zentrale Wege fachlicher Erkenntnis. Auch der MNU betont in seinen fachlichen Positionen diese Verbindung von Fachwissen, Erkenntnisgewinnung und fachtypischen Arbeitsweisen.

Förderung heißt nicht nur Defizite ausgleichen

PISA zeigt zugleich, dass Deutschland weiterhin über leistungsstarke Schüler:innen verfügt. In den Naturwissenschaften erreichen neun Prozent Kompetenzstufe 5 oder 6 und liegen damit über dem OECD-Durchschnitt von sieben Prozent.

Eine gute MINT-Bildung muss deshalb beides leisten: grundlegende Kompetenzen für alle sichern und zugleich anspruchsvolle Lerngelegenheiten für besonders interessierte und leistungsstarke Schüler:innen schaffen. Förderung darf nicht auf Defizitbearbeitung reduziert werden. Sie braucht auch anspruchsvolle Probleme, Wettbewerbe, Forschungsfragen, Projekte und Möglichkeiten, eigene Ideen zu entwickeln.

Der MNU versteht MINT-Bildung ausdrücklich als Beitrag zur individuellen Orientierung in einer technikorientierten Wissensgesellschaft und als Grundlage für freie Entscheidungen mündiger Bürger. Der Verband setzt sich zugleich für die Stärkung der MINT-Fächer, eine hochwertige Lehrkräftebildung und zeitgemäße Fortbildung ein.

Schülerin bei der Bearbeitung einer Mathematikaufgabe

Digital und KI-gestützt – aber nicht beliebig

Besonders interessant ist PISA 2025 auch mit Blick auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Der neue Bereich „Learning in the Digital World“ untersucht, wie Schüler:innen mit digitalen Werkzeugen Wissen aufbauen und Probleme lösen. Damit verschiebt sich die Perspektive: Digitale Kompetenz bedeutet nicht, möglichst häufig digitale Geräte einzusetzen, sondern sie gezielt für Lern- und Erkenntnisprozesse nutzen zu können.

Für den MINT-Unterricht ist das eine zentrale Botschaft. Eine Simulation kann einen schwer zugänglichen Zusammenhang sichtbar machen, digitale Messwerterfassung kann Experimentieren erweitern, dynamische Mathematiksoftware kann Vermutungen ermöglichen und KI kann Rückmeldungen geben oder unterschiedliche Lösungswege zur Diskussion stellen.

Aber kein Werkzeug ersetzt fachliches Denken. Gerade mit generativer KI wird die Fähigkeit wichtiger, Ergebnisse zu prüfen, Quellen einzuschätzen, Argumentationen nachzuvollziehen und fachliche Plausibilität zu beurteilen. Informatik- und KI-Bildung gehören deshalb ebenso zur MINT-Bildung wie Mathematik und die Naturwissenschaften. Der MNU vertritt diese Fächer ausdrücklich gemeinsam und setzt sich dafür ein, dass sie in Schule und Lehrkräftebildung den ihrer Bedeutung entsprechenden Stellenwert erhalten.

Gute MINT-Bildung braucht guten Fachunterricht

PISA 2025 liefert keine einfache Patentlösung. Gerade deshalb sollte die Debatte nicht bei Rankings und Krisenrhetorik stehen bleiben.

Die Befunde sprechen für eine langfristige Konzentration auf Unterrichtsqualität: weniger Oberfläche und mehr Verständnis; tragfähige Grundlagen und anspruchsvolle Anwendungen; Experimentieren und Modellieren; informatische Bildung und reflektierter Einsatz digitaler Werkzeuge; Förderung leistungsschwächerer ebenso wie leistungsstarker Schüler:innen.

Für den MNU liegt darin ein klarer Auftrag. Gute MINT-Bildung muss Schüler:innen befähigen, Natur und Technik zu verstehen, mit Daten und Modellen umzugehen, wissenschaftliche Aussagen kritisch zu beurteilen und auf dieser Grundlage begründete Entscheidungen zu treffen.

PISA 2025 ist deshalb ein Warnsignal. Es kann aber zugleich ein Impuls sein, genau darüber neu ins Gespräch zu kommen: Was müssen Schüler:innen wirklich können – und wie gestalten wir Unterricht so, dass sie es verstehen, anwenden und weiterdenken können?

Weiterführende Quellen

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Landesverband Nordrhein des Deutschen Vereins zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts e. V.

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