QuaMath 2026/27 – Mathematikunterricht gemeinsam weiterentwickeln
Mit dem Schuljahr 2026/27 startet die dritte Kohorte von Schulen im bundesweiten QuaMath-Programm. Damit wächst ein Netzwerk weiter, das Mathematikunterricht nicht mit einzelnen Methoden oder kurzfristigen Maßnahmen verbessern will, sondern auf langfristige, wissenschaftsbasierte Unterrichtsentwicklung setzt.
Für den MNU ist dieser Ansatz besonders interessant: QuaMath verbindet fachliche und fachdidaktische Qualität mit professioneller Zusammenarbeit von Lehrkräften – innerhalb der Schulen und in schulübergreifenden Netzwerken.
Die Leitfrage ist dabei ebenso einfach wie anspruchsvoll:
Wie kann Mathematikunterricht so weiterentwickelt werden, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler mathematische Zusammenhänge verstehen, tragfähige Vorstellungen entwickeln und zunehmend selbstständig mathematisch denken?
Keine schnelle Intervention, sondern langfristige Entwicklung
QuaMath ist auf insgesamt zehn Jahre angelegt. In der ersten Programmphase von 2023 bis 2028 werden Strukturen aufgebaut, Fortbildungs- und Unterrichtsmaterialien entwickelt und erprobt, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren qualifiziert und nach und nach vier Kohorten von Schulen in das Programm aufgenommen.
Im Schuljahr 2026/27 absolvieren die Schulen der zweiten Kohorte Vertiefungs- und Inhaltsmodule, während die dritte Kohorte mit den Basisfortbildungen beginnt.
Dieser langfristige Ansatz ist bemerkenswert. Unterrichtsentwicklung braucht Zeit. Neue Materialien allein verändern noch keinen Unterricht. Entscheidend ist, wie Lehrkräfte fachliche Ideen gemeinsam verstehen, im eigenen Unterricht erproben, Erfahrungen reflektieren und daraus neue Handlungsmöglichkeiten entwickeln.
Unterrichtsqualität im Mittelpunkt
QuaMath versteht die Weiterentwicklung mathematischer Bildung ausdrücklich als Frage der Unterrichtsqualität.
Dabei geht es nicht nur darum, einzelne Fertigkeiten zu trainieren. Gute Lerngelegenheiten sollen Schülerinnen und Schüler darin unterstützen, mathematische Zusammenhänge zu verstehen, über Lösungswege nachzudenken, Vorstellungen aufzubauen und ihr Wissen flexibel zu nutzen.
Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über mathematische Basiskompetenzen ist diese Perspektive wichtig:
Grundlagen sichern und anspruchsvolles mathematisches Denken fördern sind keine Gegensätze.
Nachhaltige Basiskompetenzen entstehen nicht durch ein bloßes Mehr an Übungsaufgaben. Sie benötigen einen Unterricht, der Verstehen aufbaut, Zusammenhänge sichtbar macht und Üben mit fachlichem Denken verbindet.
Professionelle Zusammenarbeit als Motor
Ein zentrales Merkmal von QuaMath ist die Zusammenarbeit in Schulnetzwerken. Qualifizierte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren begleiten Lehrkräfte über längere Zeiträume und moderieren gemeinsame Fortbildungs- und Entwicklungsprozesse.
Damit wird Fortbildung nicht als einzelne Veranstaltung verstanden, nach der jede Lehrkraft wieder allein in ihren Unterricht zurückkehrt. Vielmehr entstehen kontinuierliche Arbeitszusammenhänge, in denen Unterricht gemeinsam analysiert, geplant, erprobt und reflektiert werden kann.
Bereits die erste QuaMath-Kohorte umfasste bundesweit mehr als 1.600 Schulen, begleitet von knapp 400 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Mit den weiteren Kohorten wird dieses Netzwerk schrittweise ausgebaut.
Wissenschaft und Praxis miteinander verbinden
QuaMath wird vom Deutschen Zentrum für Lehrkräftebildung Mathematik (DZLM) am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) wissenschaftlich geleitet und von der Kultusministerkonferenz gefördert.
Ein wesentliches Merkmal ist die Verbindung von fachdidaktischer Forschung, Fortbildungsentwicklung und schulischer Praxis. Konzepte und Materialien sollen nicht lediglich aus der Forschung in die Schulen übertragen werden. Erfahrungen aus der Praxis fließen wiederum in die Weiterentwicklung des Programms ein.
Genau diese Verbindung ist für nachhaltige Unterrichtsentwicklung entscheidend: Wissenschaft kann Orientierungen und gut begründete Konzepte bereitstellen. Ob und wie diese im Unterricht wirksam werden, entscheidet sich jedoch in der konkreten Arbeit von Lehrkräften und Lerngruppen.
QuaMath kennenlernen
Vom 21. September bis 2. Oktober 2026 bietet QuaMath eine kostenfreie Online-Fortbildungsreihe für Mathematiklehrkräfte der Primar- und Sekundarstufe an.
Damit können auch Lehrkräfte und Schulen, die bisher noch nicht am Programm beteiligt sind, Einblicke in zentrale Inhalte und Arbeitsweisen von QuaMath gewinnen.
Die Fortbildungsreihe bietet zugleich eine gute Gelegenheit, zentrale Fragen der eigenen Unterrichtspraxis neu in den Blick zu nehmen:
- Wie fördern wir mathematisches Verstehen?
- Wie können Üben und Problemlösen sinnvoll miteinander verbunden werden?
- Wie diagnostizieren wir Lernstände und Vorstellungen?
- Wie schaffen wir kognitiv aktivierende Lerngelegenheiten?
- Wie kann professionelle Zusammenarbeit im Fachkollegium gelingen?
Mehr als ein Fortbildungsprogramm
QuaMath ist damit auch ein interessantes Beispiel dafür, wie Lehrkräftefortbildung grundsätzlich gedacht werden kann.
Nicht die einmalige Vermittlung neuer Methoden steht im Zentrum, sondern ein längerfristiger Professionalisierungsprozess, in dem fachliche Orientierung, gemeinsames Lernen, Erprobung im Unterricht und Reflexion miteinander verbunden werden.
Für die Weiterentwicklung des MINT-Unterrichts liegt darin ein wichtiger Gedanke:
Unterricht verändert sich nachhaltig dort, wo Lehrkräfte gemeinsam über fachliches Lernen nachdenken und ihre Praxis kontinuierlich weiterentwickeln können.

